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Transmissible spongiforme Enzephalopathien in anderen Spezies
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Übersicht
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Transmissible spongiforme Enzephalopathien bei Tieren wurden bisher in den folgenden
Spezies natürlicherweise, also in Feldisolaten, oder nach oraler Exposition
diagnostiziert:
| Wirtsspezies
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TSE-Erreger
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| Rinder
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Bovine
spongiform Encephalopathy (BSE) |
Zoo-Ungulaten:
Nyala, Spiessbock,
Elen-Antilope, Grosskudu, Arabisches Oryx, Bison, Ankole-Kuh |
BSE
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| Schafe,
Moufflons, Ziegen |
Scrapie
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Cervidae:
Grossohrhirsch, Weisswedelhirsch,
Schwarzwedelhisch, Wapiti |
Chronic
Wasting Disease (CWD) |
| Nerze
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Transmissible
Mink Encephalopathy (TME) |
Feliden:
Hauskatze, Puma, Gepard,
Ozelot, Tiger, Löwe |
BSE
– als Feline SE (FSE) bezeichnet |
Primaten:
Rhesusaffen, Lemuren
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BSE
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Weiterhin ist ein Spektrum an Labornagern (insbesondere Hamster und Mäuse)
experimentell empfänglich für einen oder mehrere der bekannten TSE-Stämme.
BSE beim Rind und Scrapie bei Schafen und Ziegen werden in separaten Sektionen
der NC-Webseite behandelt. Im den folgenden Abschnitten wird daher kurz auf
die TSEs in anderen Spezies eingegangen.
Im NeuroCenter sind die diagnostischen Methoden etabliert, um in den meisten
der hier aufgeführten Spezies den Nachweis einer spongiformen Enzephalopathie
und den Nachweis von verändertem Prionenprotein (PrPSc) führen
zu können. In Zweifelsfällen werden das Europäische Referenzlabor
für TSE bei Tieren an der Veterinary Laboratory Agency (VLA) in Weybrigde
(UK) sowie andere Institutionen hinzugezogen.
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TSE in Feliden (Katzen)
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Nur wenige Jahre nach dem Ausbruch der BSE in Grossbritannien erschienen erste
Berichte über eine spontane spongiforme Enzephalopathie bei Hauskatzen.
Ein Zusammenhang mit BSE wurde schon bald offensichtlich, insbesondere weil
die bis April 2002 rund gemeldeten 100 Fälle von FSE sich mit wenigen Ausnahmen
auf England beschränken (DEFRA).
Bis April 2002 wurden zuätzlich drei Fälle vom Europäischen Festland
gemeldet, einer aus Norwegen, ein zweiter aus dem Fürstentum Liechtenstein,
und einer in 2001 aus der Schweiz. Ein vierter Fall ausserhalb Englands stammte
aus Nordirland. Man vermutet, dass bei diesen Hauskatzen mit dem BSE-Erreger
kontaminiertes kommerzielles Katzenfutter oder frische Schlachtabfälle
die Quelle der Erkrankung waren.
Interessant zu erwähnen ist, dass auch in Zoos gehaltene Feliden (Grosskatzen),
vermutlich nach Infektion über die Verfütterung von Schlachtabfällen
und Tierkörperteilen, der Krankheit zum Opfer fielen. Davon waren nach
Angabe des zuständigen Britischen Ministeriums (DEFRA)
bis April 2002 5 Geparden, 4 Löwen sowie jeweils 3 Ozelots, Pumas und Tiger
betroffen. Die in Zoos ausserhalb Grossbritanniens an TSE verendeten Feliden
stammten nachweislich aus England.
Parallel mit der durch die Massnahmen zur Ausmerzung dieser Krankheit bedingten
drastischen Abnahme der BSE-Inzidenz in Grossbritannien geht auch die FSE-Inzidenz
zurück, ein weiteres Indiz für die alimentäre Ansteckung. Bisher
erkrankten nur erwachsene Katzen. Die Berichte über klinische Symptome
sind sehr einheitlich. Die Katzen zeigen immer Bewegungsstörungen, vor
allem in den Hintergliedmassen, fallen um oder verfehlen im Sprung das Ziel.
Oft haben sie einen kriechenden Gang. Häufig sind sie aggressiv gegen andere
Tiere und gegen die Besitzer. Sie wollen nicht mehr gestreichelt werden und
verkriechen sich. Das kann durch eine fast immer beobachtete Überempfindlichkeit
auf Berührung und Lärm, aber auch durch eine krankheitsbedingte Angst
verursacht sein. Auffallend ist ferner fast immer profuses Speicheln. Ausser
der Aggression sind die Tiere auch sonst im Verhalten schwer gestört, unruhig
und verstört oder depressiv; das Fell ist ungepflegt. Die Symptome bei
Zoo-Feliden weichen kaum von diesem Bild ab. Ein
Bericht zu FSE erschien 2001 im BVET-Magazin, und eine Publikation über
den ersten Schweizer FSE-Fall ist derzeit im Druck in der Zeitschrift Schweizer
Archiv für Tierheilkunde (SAT)
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TSE in Geflügel und Schweinen
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Eine spontane spongiforme Enzephalopathie wurde bei Schweinen bisher noch nie
beobachtet. Experimentell konnte in England aber BSE, durch hochdosierte gleichzeitig
intrazerebrale, intravenöse und intraperitoneale Inokulationen in ein bis
zwei Wochen alte Ferkel, auf Schweine übertragen werden. Da dieser Infektionsmodus
extrem unnatürlich war und orale Ansteckungsversuche misslangen, ist mit
Feldfällen beim Schwein kaum zu rechnen.
Unter experimentellen Bedingungen konnte allerdings gezeigt weren, dass Mäuse
eine klinisch unauffällige Infektion mit Hamster-spezifischen Prionen entwickeln
können, welche dann bei intrazerebraler Rückübertragung auf Hamster
und auf Mäuse bei beiden Spezies zu einer klinischen SE führte. Seither
wird die Möglichkeit diskutiert, dass sich der BSE-Erreger auf Grund der
Fleischknochenmehl-Fütterung in der Schweinepopulation als "stille"
Infektion etabliert haben könnte und auf diesem Wege potentiell ein Risiko
für andere Spezies darstellt. Unter anderem aus diesem Grund werden daher
derzeit in der Schweiz und in anderen Europäischen Ländern auch die
Gehirne älterer Schweine auf das Vorkommen von spongiformen Enzephalopathien
untersucht.
Bei Hühnern verliefen alle bisher durchgeführten oralen wie
intrazerebralen Inokulationsversuche negativ.
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TSE in Cerviden (Hirschen)
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Eine chronisch zehrende neurologische Erkrankung (Chronic Wasting Disease, CWD)
bei Gehege-gehaltenen, aber auch in wildlebenden amerikanischer Hirscharten ist
seit etwa 1980 beschrieben. Bisher gemeldete Fälle stammen aus den Bundesstaaten
Colorado, Wyoming, Wisconsin, South Dakota und Nebraska, und vereinzelt aus Hirschgehegen
in Kanada, welche Tiere aus den USA importiert hatten. Anfänglich waren nur
in Gehegen gehaltene Rehe und Hirsche betroffen.
Aufgrund einer verschärften Überwachung werden in neuester Zeit mehr
Fälle bei wildlebenden Rehen und Hirschen diagnostiziert. Dieses ist vor
allem in einem umschriebenen Gebiet im Norden von Colorado (Larimer County)
und im Süden von Wyoming der Fall, wo sowohl Gehirne von Jagdbeutetieren
(ca. 8%) wie auch von Verkehrsopfern (11%) histologisch und/oder immunhistochemisch
positiv für CWD waren. Bisher sind diese Cerviden die einzigen in freier
Wildbahn lebenden Tierarten mit einer spontanen, von BSE unabhängig aufgetretenen
TSE.
Über den Ursprung von CWD ist bisher nichts bekannt. Kontakt zu Schafen
bestand, aber Scrapie kam bei diesen Schafen nicht vor und ist überhaupt
selten in Colorado und Wyoming. Enger Kontakt zu Rindern war sehr gering. Es
wird vermutet, dass das CWD-Agens durch klinisch gesunde Wildfänge in die
Gehege eingeschleppt wurde und sich unter den Bedingungen der Gefangeschaft
etablieren konnte. Aber auch neueste Untersuchungen konnten die Frage nicht
klären, ob CWD ursprünglich in Wild- oder Gehegetieren entstanden
ist. Auch über den Übertragungszyklus unter Wildtieren ist bisher
noch nichts bekannt.
Klinisch zeigt die Krankheit einen charakteristischen, schleichend progredienten
Verlauf mit Konditionsverlust und verwahrlostem Haarkleid, Verhaltensstörungen,
Polydipsie und Polyurie, tief gesenktem Kopf und schlaffen Ohren. Die Futteraufnahme
ist reduziert, die Tiere magern stark ab und verenden innerhalb von einigen
Monaten.
In der Schweiz wurden bis April 2002 die ZNS-Proben von etwa 80 in Gehegen
gehaltenen Hirschen auf CWD untersucht, alle mit negativem Befund.
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TSE in Zoo-Ungulaten (Huftiere)
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Zur gleichen Zeit wie BSE traten auch die ersten sporadischen Fälle von spongiformer
Enzephalopathie bei Ruminanten in englischen Zoos auf. Bis April 2002 erfasste
die Krankheit 6 Kudus, 5 Elenantilopen, 2 Orynx-Antilopen, 2 Ankole-Kühe
und je einen Nyala, Gemsbock und Bison (DEFRA).
Die betroffenen Spezies zeigen eine sehr unterschiedliche klinische Symptomatik,
welche sich auch von derjenigen der klassischen Scrapie bei Schaf und Ziege sowie
von BSE beim Hausrind unterscheidet. Auch die Dauer der klinischen Erkrankung
scheint kürzer zu sein als beim Hausrind, was an einer generell kürzeren
Lebenserwartung dieser Tiere im Vergleich zum Rind liegen könnte.
Bei den meisten dieser TSE-Fälle
bei Ungulaten in zoologischen Gärten wurde die Verabreichung von Futter
mit tierischen Proteinen (und somit möglicherweise auch dem BSE-Erreger)
nachgewiesen oder zumindest nicht ausgeschlossen.
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| TSE in Nerzen |  |
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Die Krankheit ist bekannt unter der Abkürzung TME nach der englischen Bezeichnung
"transmissible mink encephalopathy". Zum ersten Mal beobachtet wurde TME 1947 auf einer
Nerzfarm in Wisconsin; weitere Ausbrüche folgten in den 60er und 80er Jahren. Neben
den USA melden auch Deutschland, Finnland und Russland vereinzelte Vorkommnisse auf
Nerzfarmen. Betroffen sind vorwiegend erwachsene Tiere. Als Infektionsquelle wird
kontaminiertes Futter angesehen.
Einige Untersucher vermuten, dass es sich bei TME um
einen Scrapie-Erreger handelt, der durch die Passage im Nerz verändert und somit
für andere Nerze stark infektiös wurde. Ansteckung scheint beim Nerz auch durch
Kannibalismus, d.h. Anfressen gestorbener Käfiggenossen, und durch Beissereien zu
erfolgen. Die Inkubationszeit beträgt sieben Monate und länger. Die klinischen
Symptome beginnen mit Unruhe, Verlust der Sauberkeit sowie einer Vernachlässigung
der Jungtiere und der eigenen Fellpflege. Etwas später kommen Kreiswandern,
Inkoordination und ein hopsender Gang der Hinterbeine dazu. Charakteristisch sind der
über den Rücken gebogene Schwanz ("eichhörnchenähnlich") und im
Endstadium ein somnolenter Zustand mit bewegungslosem stundenlangem Pressen des Kopfes
gegen das Käfiggitter. Automutilation kommt häufig vor.
Die klinisch manifeste Krankheitsphase dauert wenige Tage bis 6 Wochen.
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TSE in nicht-menschlichen Primaten (Affen)
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Bei den nicht-menschlichen Primaten sind bisher keine natürlicherweise vorkommenden
Prionenerkrankungen - vergleichbar mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) beim
Menschen - bekannt. Eine Vielzahl von Primaten-Arten ist jedoch empfänglich
für experimentelle Infektionen mit diversen TSE-Stämmen. Hierbei zeigte
sich, dass Totenkopfäffchen (Saimiri) speziell empfänglich für
die experimentelle Ansteckung mit CJD sind; dieses wird für experimentelle
Studien genützt.
Über in Grossbritannien hergestelltes Primaten-Futter, welches Risikomaterialien
(Gehirn, Rückenmark) von BSE-infizierten Rindern enhielt, wurden mit grosser
Wahrscheinlichkeit Primaten in britischen, französischen und eventuell
auch in anderen europäischen Zoos mit dem BSE-Erreger angesteckt. Bei einigen
dieser Tiere wurde nach mehreren Jahren Inkubationszeit eine spongiforme Enzephalopathie
diagnostiziert und als "BSE" "typisiert". Bei immunhistochemischen
Untersuchungen über die Verteilung von infektiösem Prionenprotein
(PrPSc) im Körper infizierter Affen wurde dieses PrPSc
im Gehirn, im Rückenmark, in den Mandeln, in verschiedenen Teilen des Verdauungstrakts
und den damit assoziierten lymphatischen Geweben sowie in der Milz gefunden.
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| TSE in anderen Spezies |  |
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Bisher wurden noch keine transmissiblen spongiformen Enzephalopathien bei Hunden, Pferden,
Fischen und sonstigen, in den vorherigen Abschnitten nicht aufgeführten, Haus-, Nutz-
und Wildtieren diagnostiziert. Zusätzliche Informationen hierzu finden sich auf der
Frage-und-Antwort-Seite des BVET zu
BSE.
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